Ausblick / Was als Nächstes zu erwarten ist: Sigmund Jähn, der erste Deutsche im Weltraum, bleibt ein bedeutendes Symbol für die Raumfahrtgeschichte der DDR. Seine Reise ins All und die damit verbundenen Erlebnisse haben nicht nur seine persönliche Karriere geprägt, sondern auch die Wahrnehmung der DDR in der Welt nachhaltig beeinflusst. Der Blick auf Jähns Leben und seine Errungenschaften zeigt, wie er zum Volkshelden wurde und welche Herausforderungen er nach der Wende bewältigen musste.
Erwartung: Ein historischer Flug ins All
Am 26. August 1978 begann für Sigmund Jähn eine außergewöhnliche Reise. In Baikonur startete die Sojus 31, die den sowjetischen Kommandanten Valerij Bykowski und den ostdeutschen Kosmonauten Jähn ins All beförderte. Kaum war der Feuerschweif des Raketenstarts verloschen, titelte eine Sonderausgabe des „Neuen Deutschland“: „Der erste Deutsche im All, ein Bürger der DDR“.
Aktueller Stand: Ruhm und Rückschläge
Insgesamt umrundete Jähn in sieben Tagen, 20 Stunden und 49 Minuten die Erde 125 Mal. Während dieser Zeit besuchte er die sowjetische Raumstation Saljut 6, machte Fotos von der Erdoberfläche und führte verschiedene Experimente durch. Trotz seines Ruhms musste Jähn jedoch mit den Folgen seiner Rückkehr leben: Bei der Landung am 3. September 1978 erlitt er Verletzungen an der Wirbelsäule, die ihn mit einem dauerhaften Rückenleiden zurückließen.
Hintergrund: Der perfekte sozialistische Volksheld
Bereits während seiner Mission wurde das DDR-Fernsehen aktiv und sendete Sondersendungen mit Liveschaltungen ins Weltall. Nach seiner Rückkehr wurde Jähn mit Orden und Ehrenbürgerschaften überhäuft. Sein Gesicht zierte Plakate, Briefmarken und Gedenkmünzen. Für die SED verkörperte er den idealen Volkshelden, der die Überlegenheit des sozialistischen Systems demonstrierte. Der Sohn eines Arbeiters, der es mit Fleiß als erster Deutscher ins All schaffte, wurde zum Vorbild für viele.
Risiken: Bescheidenheit und Herausforderungen nach der Wende
Obwohl Jähn als Volksheld gefeiert wurde, blieb er bescheiden und bodenständig. Er äußerte, dass ihm der Rummel um seine Person eher peinlich war. In einem Interview sagte er:
„Mir war der Rummel eher peinlich. Aber ich habe das als eine Art Dank betrachtet.“
Nach dem Mauerfall erlebte er jedoch einen Einschnitt in seiner Karriere, als die Bundeswehr keine Offiziere der Nationalen Volksarmee mehr beschäftigte. Jähn verlor seine Existenzgrundlage und fand Unterstützung durch Ulf Merbold, den zweiten Deutschen im All, der ihm half, eine neue Rolle als Berater für die europäische Raumfahrtorganisation ESA und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zu finden.
Einfluss und Vermächtnis
Ab 1992 bildete Jähn deutsche und europäische Astronauten im sowjetischen Schulungszentrum „Sternenstädtchen“ bei Moskau aus. Unter seinen Schützlingen war auch der Deutsche Thomas Reiter, der ebenfalls ins All flog. Sigmar Wittig, ehemaliger Vorstandsvorsitzender des DLR, betonte:
„Die Verdienste von Sigmund Jähn für die nun erreichte internationale und friedliche Zusammenarbeit im Weltraum können nicht hoch genug eingeschätzt werden.“
Der Tod von Sigmund Jähn: Ein unvergängliches Erbe
Am 21. September 2019 verstarb Sigmund Jähn im Alter von 82 Jahren. Sein Tod hinterließ eine Lücke, die von vielen Wissenschaftlern und Politikern betrauert wurde. Jähn war nicht nur in der ehemaligen DDR ein Volksheld, sondern wurde auch über die Grenzen hinweg als Vorbild geschätzt. Johann-Dietrich Wörner, ehemaliger Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA, äußerte sich zu Jähns Tod:
„Die Nachricht vom Tode Sigmund Jähns hat mich tief berührt. Wann immer wir uns getroffen haben, war es sehr persönlich, eine Freundschaft war entstanden, die nicht nur die Raumfahrt und seine unermüdliche Unterstützung der europäischen Astronauten betraf.“
Kurzlebenslauf von Sigmund Jähn
- Geboren am 13. Februar 1937 in Morgenröthe-Rautenkranz (Sachsen)
- Ausbildung zum Buchdrucker, später Luftwaffenoffizier in der Nationalen Volksarmee (NVA)
- Erster deutscher Kosmonaut, der am 26. August 1978 ins All flog
- Berater für die ESA und das DLR nach der Wende
- Verstarb am 21. September 2019
Die Deutsche Raumfahrtausstellung in Jähns Heimatort erinnert an seinen legendären Weltraumflug und zeigt unter anderem die Raumanzüge, die er getragen hatte. Pascale Ehrenfreund, ehemalige Vorstandsvorsitzende des DLR, würdigte Jähn mit den Worten:
„Der erste Deutsche im All hat sich auch immer als Brückenbauer zwischen Ost und West im Sinne der friedlichen Nutzung des Weltraums verstanden.“
Quellen: ardalpha
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