Ausblick / Was als Nächstes zu erwarten ist: Vor der bevorstehenden Reise von Papst Leo XIV. nach Frankreich haben mutmaßliche Missbrauchsopfer eines ehemaligen Priesters eine klare Forderung an das Oberhaupt der katholischen Kirche gerichtet. Die Betroffenen verlangen eine zügige Klärung der Vorwürfe gegen den ehemaligen Jesuitenpater Marko Rupnik, der über einen langen Zeitraum hinweg Frauen sexuell missbraucht haben soll.
Erwartung
Die fünf Frauen, darunter eine Ordensschwester, haben in einem Brief an den Papst appelliert, das Verfahren gegen Rupnik vor einem vatikanischen Sondergericht schnellstmöglich abzuschließen. Der 71-jährige Slowene steht im Verdacht, über Jahrzehnte hinweg Ordensschwestern sexuell missbraucht zu haben. Papst Leo XIV. wird während seines Besuchs in Lourdes, wo Rupnik an der Gestaltung der Basilika Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz beteiligt war, direkt mit diesen Vorwürfen konfrontiert.
Aktueller Stand
Die Mosaiken, die Rupnik geschaffen hat, wurden auf Anordnung des örtlichen Bischofs mit Aluminiumplatten abgedeckt, sodass der Papst sie nicht sehen wird. In dem veröffentlichten Brief, der von der Anwältin Laura Sgrò in Rom bekannt gegeben wurde, äußern die Frauen, dass sie sich an den Papst wenden, da er in Frankreich mit Opfern wie ihnen zusammentreffen wird. Sie fordern Klarheit, Transparenz und eine zügige Bearbeitung des Verfahrens. „Wir haben nicht vor, in Vergessenheit zu geraten. Und wir werden auch nicht auf Gerechtigkeit verzichten, solange die Schwere der Geschehnisse nicht anerkannt und der Verantwortliche nicht bestraft wird,“ heißt es in dem Schreiben.
Hintergrund
Das Verfahren gegen Rupnik, das im Vatikan läuft, ist von großer Bedeutung, da die Umstände und der Verlauf bislang weitgehend unbekannt sind. Die Betroffenen berichten, dass sie nur durch Medien erfahren haben, dass ein Prozess gegen Rupnik eingeleitet wurde. Ursprünglich war geplant, das Verfahren bereits Ende des vergangenen Jahres abzuschließen. Laut der Anwältin wurden die Frauen weder als Zeuginnen geladen noch durfte sie als Rechtsbeistand bei Anhörungen anwesend sein.
Risiken
Die ersten Vorwürfe gegen Rupnik wurden bereits in den frühen 1990er Jahren erhoben, als er noch in Slowenien tätig war. Dort gründete er einen katholischen Orden, die Loyola-Gemeinschaft. Ein Opfer, Gloria Branciani, berichtete in einer Pressekonferenz, dass Rupnik sie zunächst als Modell für seine Gemälde engagierte, bevor er sie sexuell belästigte. Seine Übergriffe habe er stets theologisch gerechtfertigt. Mehrere Ordensschwestern werfen Rupnik zudem spirituellen Missbrauch vor, indem er ihren Glauben ausnutzte, um sie zu manipulieren.
Die Vorwürfe wurden auch gegen Ivanka Hosta, die Mitgründerin der Gemeinschaft, erhoben, die angeblich nie von den Übergriffen Rupniks berichtete, obwohl Branciani sich ihr anvertraut hatte. Rupnik wurde aus der Loyola-Gemeinschaft ausgeschlossen und ging nach Rom, wo er als Hofkünstler des Papstes tätig war.
Im Jahr 2022 traten die Betroffenen und Ordensschwestern mit ihren Vorwürfen an die Öffentlichkeit. Der Vatikan hatte zunächst die Vorwürfe als verjährt eingestuft, doch Papst Franziskus hob die Verjährung ein Jahr später auf. Berichten zufolge wurde Rupnik 2020 kurzzeitig exkommuniziert, jedoch nicht wegen der Missbrauchsvorwürfe, sondern aufgrund einer anderen Straftat.
Der Vatikan hat angekündigt, dass Papst Leo XIV. in Lourdes auch mit einer kleinen Gruppe von Missbrauchsopfern zusammentreffen will. Kritiker bemängeln jedoch, dass keine allgemeinen Treffen mit Opferverbänden während der Reise vorgesehen sind. Neben Lourdes wird der Papst auch Paris und Metz besuchen.
Quellen: n-tv
Bildquelle: Von Ricardo Stuckert – https://www.flickr.com/photos/157736962@N05/54851452841/, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=176987037
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