Ausblick / Was als Nächstes zu erwarten ist: Die Diskussion um die Reformen im deutschen Gesundheitswesen, insbesondere die geplante Abschaffung der telefonischen Krankschreibung, sorgt für Widerstand. AOK-Bundesverbandschefin Carola Reimann hat sich klar gegen diese Maßnahmen ausgesprochen und warnt vor den möglichen negativen Auswirkungen auf die medizinische Versorgung.
Erwartung
Die AOK-Chefin äußerte sich in einem Interview zu den aktuellen Plänen der Bundesregierung, die eine Pflicht zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) ab dem ersten Krankheitstag sowie die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung vorsehen. Reimann bezeichnete diese Vorschläge als nicht zielführend und warnte vor einer Überlastung der Arztpraxen.
Aktueller Stand
„Gerade bei Infektionswellen ist die telefonische Krankschreibung ein effektives Mittel, um Ansteckungen zu vermeiden und das medizinische Personal zu schützen“, erklärte Reimann. Sie betonte, dass sie während der Corona-Pandemie keine Veränderungen im Krankschreibungsverhalten der Ärzte festgestellt habe und somit keinen Missbrauch der Regelung erkennen könne.
Hintergrund
Die Diskussion um die Reformen wird von der AOK-Chefin als politisch verkürzt wahrgenommen. Sie kritisierte, dass die Debatte über die Anzahl der Krankheitstage in einen Kontext von „Lifestyle-Teilzeit“ und zu vielen Krankheitstagen eingeordnet werde. Reimann forderte einen nüchternen Blick auf die Vorschläge und wies darauf hin, dass die elektronische Krankschreibung eine umfassendere Erfassung der Arbeitsunfähigkeitsdaten ermögliche, was zu veränderten Statistiken führe. Zudem warnen Forscher vor den steigenden Gesundheitsrisiken, mit denen junge Menschen im Alter konfrontiert werden könnten.
Risiken
Reimann warnte zudem vor den finanziellen Folgen der geplanten Reformen. Obwohl die Kassen im ersten Halbjahr einen Überschuss von über zwei Milliarden Euro erzielt hätten, steige die Ausgabenseite ungebremst weiter. „Das eigentliche Problem sind die steigenden Leistungsausgaben, die um sieben bis acht Prozent zunehmen“, sagte sie. Sie forderte daher, die Diskussion um die Reformen nicht nur auf die Einnahmenseite zu konzentrieren. In diesem Zusammenhang wird auch die 48-Stunden-Woche als Zukunftsmodell diskutiert, das Lehren aus dem italienischen Arbeitsmarkt aufgreift.
Fokus auf Prävention
In der Debatte um die Zukunft der gesetzlichen Krankenversicherung plädiert Reimann für einen stärkeren Fokus auf Prävention. „Wir müssen in Deutschland mehr dafür tun, dass Menschen gar nicht erst krank werden“, sagte sie. Insbesondere bei der Verfügbarkeit von Tabak und Alkohol sieht sie Handlungsbedarf und schlägt vor, gesundheitsschädliche Produkte teurer zu machen und deren Verfügbarkeit einzuschränken. Außerdem wurden die Impfempfehlungen für Kinder überarbeitet, was ebenfalls Auswirkungen auf die Gesundheit im Fokus hat.
Die AOK-Chefin fordert eine umfassende Diskussion über die Reformen im Gesundheitswesen, um die medizinische Versorgung in Deutschland nachhaltig zu sichern.
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Quellen: n-tv
Bildquelle: Horst J. Meuter via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
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