Finanzielle Engpässe in der Pflegeversicherung
Carola Reimann, die Chefin des AOK-Bundesverbands, hat auf ein drohendes Defizit in der gesetzlichen Pflegeversicherung hingewiesen, das sich auf bis zu acht Milliarden Euro belaufen könnte. Dies entspricht mehr als zehn Prozent des jährlichen Ausgabenvolumens von 70 Milliarden Euro, das für die soziale Pflegeversicherung veranschlagt ist. Mit besorgtem Blick stellte Reimann fest, dass die aktuellen Herausforderungen in der Pflegeversicherung schwerwiegender seien als die der gesetzlichen Krankenversicherung. In diesem Zusammenhang fordert die AOK-Chefin den Erhalt der telefonischen Krankschreibung.
Bundesdarlehen als unzureichende Lösung
Für dieses Jahr hat der Bund ein Darlehen in Höhe von 3,2 Milliarden Euro bereitgestellt. Reimann bezweifelt jedoch, dass dieses Darlehen ausreichen wird, um die finanziellen Defizite zu kompensieren. Sie warnte, dass ohne rasche Maßnahmen zur Behebung dieser Lücken eine Erhöhung der Beitragssätze unausweichlich sei, es sei denn, zusätzliche Mittel aus dem Bundeshaushalt würden bereitgestellt.
Stabilisierungsvorschläge für die Pflegeversicherung
Um die finanzielle Stabilität der Pflegeversicherung zu gewährleisten, schlug Reimann einen Finanzausgleich zwischen der gesetzlichen und der privaten Pflegeversicherung vor. Da in der privaten Pflegeversicherung deutlich weniger Leistungen in Anspruch genommen werden, könnte ein solcher Ausgleich von Vorteil sein. Allerdings gibt es innerhalb der Koalition bisher keine Einigkeit über diese Maßnahme.
Finanzierung gesamtgesellschaftlicher Aufgaben durch Steuermittel
Reimann betonte, dass gesamtgesellschaftliche Aufgaben der Pflegeversicherung durch Steuermittel finanziert werden sollten, wozu auch die Rentenbeiträge für pflegende Angehörige gehören. Sie begrüßte die Entscheidung von Carsten Linnemann, dem Bundesgesundheitsminister, die angestrebten Kürzungen bei den Rentenbeiträgen für pflegende Angehörige nicht zu unterstützen. In Deutschland sind etwa 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig, und 86 Prozent von ihnen werden von Angehörigen zu Hause betreut. Zudem warnen Forscher, dass junge Menschen sich im Alter auf steigende Gesundheitsrisiken einstellen müssen.
Reform der Pflegeversicherung in der Planung
Die schwarz-rote Koalition arbeitet an einer Reform der Pflegeversicherung, die derzeit nur einen Bruchteil der Kosten abdeckt. Pflegebedürftige erhalten Leistungen von der Pflegekasse, müssen jedoch einen Eigenanteil leisten. Ein Gesetzentwurf, den die ehemalige Gesundheitsministerin Nina Warken vorgelegt hat, sieht Maßnahmen zur Begrenzung der Ausgaben und zur Erhöhung der Einnahmen vor. Ziel ist es, die chronischen finanziellen Lücken der Pflegeversicherung zu schließen und allgemeine Beitragserhöhungen zu vermeiden. Linnemann hat zudem angekündigt, dass die Kürzungen bei den Rentenansprüchen für pflegende Angehörige nicht weiterverfolgt werden.
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Quellen: n-tv, Handelsblatt
Bildquelle: Harry Schneckenburger via Wikimedia Commons (CC0)
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