Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat ihren Standpunkt zu staatlichen Gaszukäufen geändert. Diese Wende kommt angesichts der besorgniserregend niedrigen Füllstände der Gasspeicher in Deutschland. Nach übereinstimmenden Berichten hat sie den bundeseigenen Gasimporteur Sefe beauftragt, zusätzliches Erdgas zu beschaffen, um die Speicher rechtzeitig vor dem Winter aufzufüllen.
Zuvor hatte Reiche eine staatliche Intervention als potenzielle Marktverzerrung abgelehnt. Mit ihrem neuen Ansatz will sie jedoch die Speicherstände, die gegenwärtig bei etwa 55,92 Prozent liegen, signifikant verbessern. Dies entspricht einem Rückgang von 19,48 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr und liegt unter dem langfristigen Durchschnitt von 2015 bis 2021.
Sefe hat bereits mit dem Einkauf von Gas begonnen. Dabei legt das Unternehmen Wert darauf, die Marktpreise nicht übermäßig zu belasten. Um eine „minimalinvasive und kosteneffiziente“ Umsetzung zu garantieren, erfolgen die Käufe schrittweise. Die Regierung rechnet damit, dass diese zusätzlichen Käufe die Speicherstände auf über 70 Prozent anheben werden, was dem gesetzlich festgelegten Ziel von 80 Prozent bis zum 1. November sehr nahekommt.
Die Entscheidung von Reiche hat jedoch kritische Stimmen laut werden lassen. Innerhalb ihrer eigenen Partei bestehen Bedenken, dass staatliche Käufe die Gaspreise weiter in die Höhe treiben könnten. Diese Sorgen wurden in den letzten Wochen geäußert und führten dazu, dass die Ministerin ihren Kurs überdachte.
Uniper, ein weiterer staatlicher Energiekonzern, wird bei den Gaskäufen nicht mitwirken. Im Bundesfinanzministerium herrschen Bedenken, dass zusätzliche Käufe durch Uniper die geplante Privatisierung des Unternehmens gefährden könnten. Sowohl Sefe als auch Uniper wurden während der Energiekrise 2022 verstaatlicht und müssen bis Ende 2028 wieder weitgehend privatisiert werden.
Die finanziellen Auswirkungen der Gaskäufe durch Sefe werden auf circa 40 bis 60 Millionen Euro geschätzt. Im Wirtschaftsministerium wird jedoch angenommen, dass diese Belastung für eine spätere Privatisierung als tragbar gilt. Die schleppende Befüllung der Gasspeicher wird auch auf die Auswirkungen des Konflikts um die Straße von Hormus zurückgeführt, der die Energiepreise beeinflusst hat. Dies hat zur Folge, dass Händler zögern, Gas für den Winter einzukaufen und zu lagern.
Der aktuelle Füllstand der deutschen Gasspeicher beträgt knapp 56 Prozent, was deutlich unter dem üblichen Niveau für diese Jahreszeit liegt. Die Maßnahmen von Sefe sollen dazu beitragen, die Speicher rechtzeitig vor dem Winter auf ein sicheres Niveau zu bringen.
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Quellen: n-tv, Handelsblatt
Bildquelle: Grunpfnul via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
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