Ausblick: Die Rolle der USA im deutschen Gasmarkt könnte sich als entscheidend erweisen, während die Abhängigkeit von russischen Lieferungen zurückgedrängt wurde. Kritiker warnen vor den potenziellen Risiken, die mit der neuen Situation verbunden sind.
Erwartungen an die Gasversorgung
Deutschland hat seine Gasversorgung neu strukturiert und bezieht mittlerweile einen signifikanten Teil seines Flüssiggases aus den Vereinigten Staaten. Diese Entwicklung birgt jedoch Bedenken hinsichtlich der Stabilität der Preise und der langfristigen Versorgungssicherheit. Ein Abbruch der Exporte von Flüssiggas (LNG) seitens der USA könnte Deutschland in eine kritische Lage bringen, in der die Gaspreise stark ansteigen könnten. „Die bloße Ankündigung der US-Regierung, Exportgenehmigungen möglicherweise zurückzuziehen, könnte die Preise in Europa in die Höhe treiben“, erklärte Andreas Goldthau, Direktor der Willy Brandt School of Public Policy an der Universität Erfurt. Diese Thematik wird auch im Zusammenhang mit der Containerkrise in Kuba diskutiert.
Aktueller Stand der Gasversorgung
Die Füllstände der deutschen Gasspeicher sind zurzeit auf einem historisch niedrigen Niveau. Diese Situation ist im Vergleich zu den Vorjahren nicht direkt zu bewerten, da die neu entwickelte Infrastruktur zur Einfuhr von Flüssiggas es ermöglicht, kurzfristig auf Bedarf zu reagieren. Deutschland hat somit die Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen reduziert, steht jedoch vor der Herausforderung, sich auf die Unberechenbarkeit des US-Präsidenten einzustellen. Sollte Donald Trump die LNG-Exporte einstellen, könnte Deutschland im Extremfall unter einem Gasengpass leiden. „Allein die Drohung eines Exportstopps würde die Marktpreise in Europa stark beeinflussen“, so Goldthau weiter. Diese Unsicherheiten sind auch Teil der Diskussion um Polens Diskussion über US-Basen.
Hintergrund der Abhängigkeit
Aktuell deckt Deutschland etwa zwölf Prozent seiner Gasimporte über eigene Terminals für Flüssiggas, wobei mehr als 90 Prozent dieser Importe aus den USA stammen. Dies entspricht etwa zehn Prozent des gesamten Gasverbrauchs Deutschlands. Zudem importieren auch andere europäische Länder wie Belgien und die Niederlande LNG aus den USA, sodass der Anteil an US-Gas sogar auf etwa 20 Prozent aller deutschen Gasimporte geschätzt wird. Im Gegensatz dazu ist die Abhängigkeit von norwegischem Gas mit 42 Prozent aller Gasimporte bedeutend höher, wobei Norwegen als zuverlässigerer Partner gilt.
Risiken der Liquiditätsabhängigkeit
Goldthau betont, dass die USA durch ihre LNG-Lieferungen einen strategischen Erpressungshebel besitzen. Politologe Loyle Campbell von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) äußerte, dass die USA mit ihren Energieexporten politische Ziele durchsetzen könnten. Ein möglicher Stopp der LNG-Exporte würde zu einem globalen Preisschock führen, da alle importierenden Länder um die verbleibenden Flüssiggas-Mengen konkurrieren müssten. „Das LNG fließt dorthin, wo die Zahlungsbereitschaft am höchsten ist“, so der Gasmarkt-Experte Sebastian Gulbis. Diese Dynamik könnte auch im Kontext der US-Politik betrachtet werden.
Alternative Bezugsquellen und deren Kosten
Gulbis geht davon aus, dass europäische Länder in der Lage wären, Flüssiggas von anderen Abnehmern, etwa aus Asien, zu erwerben – allerdings zu deutlich höheren Preisen. Alternative Lieferanten könnten Kanada und verschiedene afrikanische Länder sein. Sollte es zu einem Exportstopp aus den USA kommen, könnte dies zu einem Umbruch auf dem Weltmarkt führen, wobei Europa möglicherweise andere Quellen ansteuern würde. Dennoch bleibt die Frage, wie sich dies auf die bestehenden Lieferbeziehungen auswirken würde und ob Trump Druck auf andere Länder ausüben könnte, ihre Lieferungen nach Europa ebenfalls zu reduzieren.
Insgesamt ist Deutschland mittelbar von amerikanischem Flüssiggas abhängig, während der Weltmarkt in hohem Maße von diesen Energiemengen betroffen ist. Gulbis sieht die Möglichkeit eines Exportstopps als eher unwahrscheinlich an, da dies erhebliche negative Folgen für den US-Markt und dessen Unternehmen hätte. Die Diversifizierung der Bezugsquellen erscheint ihm daher nicht zwingend notwendig, da Deutschland flexibel auf die LNG-Märkte reagieren kann.
Angesichts der aktuellen niedrigen Füllstände in den Gasspeichern hat Deutschland jedoch Flüssiggas als eine unerlässliche Energiequelle eingeplant, um die kommenden Monate zu überstehen.
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Quellen: n-tv
Bildquelle: Bildquelle: Julia Taubitz auf Unsplash
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