Die Molkerei Müller hat die Lieferverträge mit Milchbauern in Brandenburg gekündigt, was voraussichtlich erhebliche Auswirkungen auf die betroffenen Betriebe zur Folge haben wird. Diese Information wurde durch Recherchen des Landesbauernverbands bestätigt. Die Kündigungen treten in den kommenden Monaten in Kraft.
Aktuell ist die genaue Zahl der betroffenen Milchbauern unklar. Der Landesbauernverband berichtet, dass besonders mittelgroße Betriebe mit 400 bis 800 Kühen in den nördlichen und östlichen Teilen Brandenburgs betroffen sind. Diese Betriebe haben ihre Milchlieferverträge mit der Unternehmensgruppe Theo Müller fristgerecht gekündigt.
Auf eine entsprechende Anfrage hat sich das Unternehmen bislang nicht geäußert.
Brandenburger Landwirtschaft im Umbruch
Die Brandenburger Landwirtschaft zeigt einen bemerkenswerten Wandel: Die Zahl der Betriebe geht zurück, während die verbliebenen immer größer werden. Der Landesbauernverband bezeichnete die Kündigungen als „harten Schlag ins Kontor“. Nun stehen die Landwirte vor der dringenden Aufgabe, kurzfristig neue Abnehmer für ihre Milch zu finden, was höchstwahrscheinlich niedrigere Preise zur Folge haben wird. Meike Mieke vom Landesbauernverband wies darauf hin, dass den Landwirten nun weniger Optionen zur Verfügung stehen und die Wertschöpfungskette Milch erneut gestört sei. Sie forderte mehr verarbeitende Unternehmen in Brandenburg, die den Landwirten eine langfristige Partnerschaft bieten.
Die Kündigungen betreffen unter anderem Betriebe in Ostprignitz-Ruppin und der Prignitz. Die Verträge sollen bis März 2027 gültig sein. Wie viele Betriebe in diesen Landkreisen betroffen sind, ist jedoch weiterhin ungewiss.
Kritik an den kurzen Kündigungsfristen
Die als problematisch erachteten kurzen Kündigungsfristen stellen eine Herausforderung dar, da die Betriebe langfristig planen müssen. Mieke erklärte, dass ein stabiler Milchliefervertrag auch für die Sicherheit des Tierbestands von Bedeutung ist, was die Planung von Fütterung und Personal betrifft. Diese Unsicherheiten werfen nun viele Fragen auf.
Marktsituation und Herausforderungen für Milchviehhalter
Hans Foldenauer vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter äußerte sich ebenfalls kritisch zu den Kündigungen. Für viele Milchviehbetriebe stellt die Milch die Hauptquelle ihrer Einnahmen dar. Fehlt die Abnahmesicherheit, führt dies zu einer erheblichen psychischen Belastung für die Betriebe. Der Verband, der etwa ein Drittel der aktiven Milcherzeuger in Deutschland vertritt, wurde 1998 als Alternative zum Deutschen Bauernverband gegründet. Foldenauer vermutet, dass die Kündigungen möglicherweise auf die Möglichkeit zurückzuführen sind, Milch zu günstigeren Preisen auf dem freien Markt zu beziehen. Dies könnte Teil einer Geschäftsstrategie sein, die darauf abzielt, Milch günstiger zu erwerben als über feste Partnerschaften mit Abnahmeverträgen.
Die gegenwärtige Marktsituation ist durch eine Übersättigung der Milchmärkte geprägt, was die Lage für die Milchbauern erschwert. Foldenauer berichtete, dass die Preise für Milcherzeugnisse um fast 30 Prozent gesunken sind, was eine Kostendeckung für die Produktion unmöglich macht. Diese Entwicklung wird nicht nur regional, sondern auch EU-weit beobachtet. Er fordert von der Europäischen Union, die Milchanlieferungen zeitlich begrenzt zu reduzieren und den Milchviehaltern Ausgleichsleistungen anzubieten. Bislang wurden jedoch von der Politik keine entsprechenden Maßnahmen ergriffen, und auch die Molkereiwirtschaft hat sich gegen solche Vorschläge ausgesprochen.
Die Unternehmensgruppe Theo Müller ist bekannt für Produkte wie die Müllermilch und gehört zu den Marken Weihenstephan und Landliebe. Zudem sind die Ernteeinbußen durch anhaltende Trockenheit und Hitze in Deutschland ein weiteres Thema, das die Landwirtschaft in der Region betrifft.
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Quellen: rbb24, tagesschau
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